@thezedi
Roger Zedi

2011ist Journalist und lebt in Zürich.
Zu seinen Fachgebieten zählen TECHNOLOGIE sowie REISEREPORTAGEN.

Mehr über ihn.

Auf Anfrage gibt er auch Einführungskurse für Social Media (Facebook, Twitter, etc.).

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9:00AM

Kalorien zählen noch einfacher als zuvor 

Letzten Herbst haben wir hier die App «Calory Guard Pro» vorgestellt, mit der man auf seinem iPhone erfassen kann, was man isst. Die App rechnet umgehend aus, wie viele Kalorien man zu sich nimmt - es gibt kaum eine effizientere Methode, überflüssige und unliebsame Pfunde loszuwerden (beim Autor dieser Zeilen waren es 10 Kilo in sechs Monaten). Bisher wurde sie über 500'000 Mal heruntergeladen. Nun liegt eine komplett überarbeitete Version vor. Nebst einer völlig neuen Benutzeroberfläche hat sie auch ein paar neue Tricks auf Lager. Am nützlichsten ist die Möglichkeit, anhand der Barcodes auf Produkten deren Nährwerte abzurufen. Das funktioniert technisch einwandfrei, man muss nur den Barcode vor die Kamera halten. Leider kennt die Datenbank im Hintergrund aber längst nicht alle (Schweizer) Produkte, man wird also anfangs noch einiges manuell erfassen müssen. Dennoch lohnt sich der Extrafranken, den man für das Barcodelesen ausgeben muss (man schaltet die Funktion via «In-App-Kauf» frei). Daneben gibt es neue Auswertungen, man kann sich etwa seine Kohlenhydrat-Zufuhr separat als Kurve anzeigen lassen. Wer die App auf iPhone und iPad nutzen möchte, muss sie ausserdem nur noch einmal kaufen, die Daten werden laufend synchron gehalten.

Diesen und weitere Tipps gibt es täglich in der iPad-App des «Tages-Anzeigers». ipad.tagesanzeiger.ch

9:00AM

«Man kann auch umfassend falsch informiert sein» 

Clay Johnson hat vor vier Jahren die Online-Kampagne von Barack Obama geleitet. Jetzt hat er ein Diätbuch geschrieben, in dem er für einen «Info-Veganismus» plädiert.

Mit Clay Johnson sprach Roger Zedi

In Ihrem Buch ziehen Sie Parallelen zwischen unserem Informationskonsum und unserer Ernährung. Wie sind Sie auf diesen Vergleich gekommen?

Geist und Körper sind eng verbunden. Schlechter Informationskonsum wirkt sich auf beide aus ist und genauso schlecht wie eine einseitige, ungesunde Ernährung. So gesehen macht ein Diätbuch sehr viel Sinn.

Wir sind also nicht nur, was wir essen, wir sind auch, was wir lesen und schauen?

Absolut.

Sie verschreiben uns als Diät den «Info-Veganismus». Das scheint mir ein denkbar unattraktiver Begriff für eine neue Bewegung zu sein.

Der Begriff soll provozieren und zum Denken anregen. Am wenigsten gefällt er übrigens den Veganern, von denen werde ich am häufigsten angefeindet.

Was unterscheidet Info-Veganer von anderen Mitmenschen?

Info-Veganismus steht für einen mässigen und bewussten Konsum von Informationen. Gewisse Leute verzichten auf Fleisch, weil sie die industrielle Fleischproduktion nicht unterstützen wollen. Analog sollten wir auch keine oder nur ganz wenige industriell produzierte Medien konsumieren. Es geht auch um Ethik und gesellschaftliche Fragen. Was ich auf einer News-Site anklicke, betrifft auch andere.

Inwiefern?

Meine Klicks beeinflussen direkt, was andere auf einem Newsportal sehen. Das läuft mittlerweile vollautomatisch. Sites wie die «Huffington Post» vergeben einem Artikel anfangs mehrere Überschriften, von denen den Lesern zufällig jeweils eine angezeigt wird. Innert Minuten wird ermittelt, welche am populärsten ist, und fortan sehen dann alle Leser jene Schlagzeile.

Wir bekommen also die Schlagzeilen, die uns am besten schmecken . . . Daran scheitern viele Diäten - wir essen mit dem Gaumen und nicht mit dem Verstand.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was uns schmeckt, und dem, was wir brauchen, um zu überleben. Wenn wir alle nur essen würden, was wir mögen, würden wir wohl stets Pizza essen und niemals Broccoli. Wir haben aber gelernt und es uns antrainiert, auch Gemüse zu essen. Es geht also darum, auch Ungewohntes zu schätzen.

Viele sehen die Technologie als Ursache des Problems: das Internet generell, die Filter von Google oder die einseitigen Leseempfehlungen unserer Facebook-Freunde.

Weder die Technologie noch die Medien sind schuld. Ich glaube nicht, dass irgendwo bei Google in einem geheimen Sitzungszimmer jemand beschliesst, unsere Aufmerksamkeitsspanne zu ruinieren. Oder dass hinter Fox News oder MSNBC Verschwörer stecken. Sie geben uns bloss, was wir verlangen. Insofern haben wir alle eine Mitverantwortung dafür und für die Veränderungen, die es bei uns auslöst.

Bestehende Meinungen zu bedienen, ist für die Medien wie für die Leser verlockend. Überwinden wir das jemals noch?

Ja, sofern sich neue Geschäftschancen daraus ergeben, den Leuten eben etwas anderes vorzusetzen. Ich bin überzeugt, dass es künftig mehr und mehr zahlungswillige Leser geben wird, auch im Internet. Bei Musik, Filmen und TV-Serien im Netz funktioniert es bereits. Als Nächstes wird das auch bei News passieren. Der Zugang zu unvoreingenommener Qualitätsinformation wird mehr und mehr Leuten etwas wert sein.

Viele Experten orten das Problem in der allgemeinen «Informationsüberlastung». Sie kommen in Ihrem Buch aber zu einem anderen Schluss.

Wir holen uns nicht zu viele Informationen, sondern zu oft die ungesunden. Und es gibt einen Unterschied zwischen «umfassend informiert» und «gut informiert». Man kann auch umfassend falsch informiert sein. Umgekehrt kann man auch gut informiert sein, obwohl man nur wenige Informationen über ein Thema aufnimmt.

Was sollte man also meiden?

Was immer bloss die eigene, bestehende Meinung bestätigt. Wenn man nur Artikel liest oder Nachrichten schaut, bei denen man ständig zustimmend nickt, stimmt etwas nicht. Man sollte einschalten, um sich zu informieren, nicht um sich zu bestätigen - doch wer will die Wahrheit hören, wenn er hören kann, dass er recht hat?

Woran erkennt man denn gesunde Information?

Wie beim Essen gilt: Rohkost ist gut. Rohe Daten und Informationen, die direkt von der Quelle stammen, sind besser als mehrfach aufbereitete, vorgekaute Informationen. Deshalb rate ich auch, vermehrt Informationen zu konsumieren, deren Quellen man selber verifizieren kann. Was ihre Gemeindeverwaltung macht, ist für Sie einfacher nachzuvollziehen als das Schalten und Walten der Bundesregierung.

Also nur noch die Lokalnachrichten verfolgen?

Nicht ausschliesslich. Es geht mir auch um soziale Nähe. Beschäftigen Sie sich mit ihren Freunden und ihrer Familie statt mit Prominenten und deren Eskapaden.

Ein anderer Rat in Ihrem Buch lautet: Konsumiere mehr Rohdaten und erstelle deine eigenen Analysen. Wie soll das denn gehen?

Sich das anzueignen, ist sicher nicht leicht. Doch die Bedeutung von «lese- und schreibkundig» hat sich im Lauf der Zeit immer wieder verändert. Als der Buchdruck aufkam, konnte man sich nicht vorstellen, dass einmal die ganze Bevölkerung lesen und schreiben könnte, heute ist das selbstverständlich. Dasselbe könnte auch für den mathematischen Umgang mit Daten gelten, immerhin wird die Technologie dafür mehr und mehr Menschen zugänglich. Heute ist es akzeptabel, dass jemand nicht mit einem Computer umgehen oder Programmcodes verstehen kann, in 20 Jahren wird das so wirken, als ob er ein Analphabet wäre.

Sie wollen mit Ihrem Buch den Info-Veganismus als Bewegung lancieren. Wie läuft das bisher?

Auf meiner Website haben sich rund 6000 Leute angemeldet, welche die Idee aktiv weiterverbreiten möchten. Ich hoffe auch ernsthaft, dass die amerikanischen Wähler sich dieses Jahr stärker mit Rohdaten beschäftigen als auf die Ansprachen und Slogans der Parteien zu hören.

Wenn man den bisherigen Wahlkampf ansieht, tönt das wenig realistisch.

Es ist die Aufgabe des Doktors, dem Patienten eine Diät zu empfehlen. Und es ist dessen Aufgabe, sie auch umzusetzen.

Sie haben 2008 die Online-Kampagne für Barack Obama geleitet - und den Demokraten einen Vorteil verschafft. Wie sieht es mit diesem Vorsprung heute aus?

Der ist weitgehend weg.

Wer ist diesmal technologisch innovativer?

Die Opposition, also diesmal die Republikaner, ist jeweils experimentierfreudiger als die Partei des Amtsinhabers.

Vor acht Jahren spielte das Internet erstmals überhaupt eine Rolle im amerikanischen Wahlkampf. Vor vier Jahren war diese Rolle bereits eine entscheidende - unter anderem wegen Social Media. Und was wird 2012 den Ausschlag geben?

Die Datenanalyse ist noch wichtiger geworden. Ich erwarte, dass die Kampagnen, basierend auf Meinungsdaten, noch genauer und schneller analysieren können, was die Wähler erwarten, und sie dementsprechend mit massgeschneiderten Slogans beliefern.

Es geht also darum, die eigene Basis zu bestätigen - nach demselben Muster wie Fox News oder MSNBC. Im US-Wahlkampf versucht eigentlich kaum noch jemand, die Gegenseite mit Argumenten zu überzeugen. Gibt es noch Hoffnung, dass sich das dereinst wieder ändert?

Was Sie beschreiben, ist wahr und bedauerlich. Mich interessieren aber weniger Kompromisse zwischen den Lagern. Mich frustriert am meisten, dass mehr Leute den Präsidenten wählen als ihre direkten Stadträte. Dabei haben die einen viel grösseren Einfluss auf unser Leben als der Präsident.

Sie selber sind diesmal nicht mehr im Wahlkampf dabei. Wurde es Ihnen zu langweilig?

Ich habe einfach andere Prioritäten. Im Sommer werde ich erstmals Vater. Wer als Nächstes Präsident wird, hat aber für den Kleinen derzeit wenig Auswirkungen. Da kann ich auf anderen Gebieten mehr für ihn tun.

Eine Diät fürs Gehirn

Das Buch von Clay Johnson

Die erfolgreichsten amerikanischen Medien unserer Zeit sind jene, die konsequent nur eine politische Sicht der Dinge vermitteln, etwa Fox News (rechtskonservativ) oder MSNBC (linksliberal). Andere, darunter die «Huffington Post», sind erfolgreich, weil ihre Autoren in sogenannten Content Farms, dem medialen Äquivalent zur industriellen Viehzucht, Beiträge für Online-Medien im Akkord erstellen, passend zu den aktuell gemäss Google gefragtesten Stichworten. Hinter all dem sieht Clay Johnson jedoch keine politischen Verschwörungen, sondern eine unheilige Allianz zwischen Produzenten und Konsumenten: Wir bekommen lediglich zu lesen und zu sehen, was wir wollen - und anklicken.

Im Zentrum seines Buches stehen die Auswirkungen dieses Informationskonsums: Voreingenommenheit, Unfähigkeit zum Dialog und Ignoranz. Johnson plädiert, in Form einer Diät, für einen bewussteren Konsum von Informationen.

Clay Johnson: The Information Diet: A Case for Conscious Consumption (Englisch). O’Reilly Media 2012, 160 S., ca. 19 Fr. oder ca. 12 Fr. als E-Book.

www.informationdiet.com

2:00PM

Die kreativste Phase scheint vorbei

Aktuelle Smartphones wie das Samsung Galaxy S III sind solide Weiterentwicklungen. Revolutionen sollte man keine mehr erwarten.


800 Journalisten sind zur Vorstellung des Gerätes nach London gereist.Was war grösser? Die teils irrsinnigen Erwartungen vor der Ankündigung oder die Enttäuschung darüber, dass sie sich nicht erfüllt haben? Als Apple im letzten Herbst das iPhone 4S vorgestellt hat, ging ein frustriertes Stöhnen um den Globus.

Vergangene Woche hat sich erneut Vergleichbares zugetragen. Samsung präsentierte der Welt das neue Topmodell der äusserst erfolgreichen Galaxy-Reihe. Im Vorfeld haben die Koreaner mit kryptischen Einladungen die Gerüchteküche aktiv angeheizt (etwas, das Apple übrigens nie selbst übernimmt, sondern jeweils deren Fans). Es wurde dann aber nichts aus der erhofften 12-Megapixel-Kamera (sie hat 8MP), die Rückseite des Smartphones besteht nicht aus Keramik, sondern nach wie vor aus Plastik, und das Display bringt nicht den prophezeiten Quantensprung. Nur dass wir uns richtig verstehen: Der 4,8-Zoll-Amoled-Bildschirm ist hervorragend, und 8 MP sind genug. Nur die Plastikrückwand enttäuscht wirklich etwas, in der Hand kommt damit kein Gefühl von Hochwertigkeit auf. Und was das Design betrifft, wurde nichts neu erfunden - das Gerät sieht aus, wie Dutzende andere Android-Smartphones.

Direkt von Apple kopiert

Es gibt weitere Parallelen zwischen dem aktuellen iPhone und dem Galaxy S III. So fällt etwa auf, dass die Hersteller mit technischen Tricks zu punkten versuchen, die zwar durchaus beeindrucken, im Alltag aber nur wenig oder gar nicht benutzt werden. Apples Spracherkennung Siri fällt in diese Kategorie. Samsung hat sie dennoch deutlich, um nicht zu sagen unverschämt, nachgebaut. Beim Galaxy lässt sich sogar die Kamera auslösen, indem man laut «cheese» sagt. Selbst eingefleischte Android-Nutzer unter den angereisten Fachjournalisten waren vom neuen Gerät weniger beeindruckt als erwartet.

Es fällt allen Herstellern schwerer, mit grossen Sprüngen und neuen Möglichkeiten zu überraschen. Die Smartphones, so scheint es, haben ihre kreativste Entwicklungsphase bereits hinter sich. Was grundsätzlich nichts Schlimmes ist. Und was nicht heissen soll, das Galaxy S III sei bloss mit Schnickschnack ausgestattet. Es gibt auch nützliche Neuerungen, allen voran die Möglichkeit, das Gerät über Induktion, also kabellos, zu laden. Die dafür notwendige Ladeplattform ist als Zubehör erhältlich. Freude macht die Gesichtserkennung auf Fotos. Hat das Handy jemanden erkannt, so lässt sich das Foto mit einem Fingertipp mit der betreffenden Person teilen oder direkt deren Facebook-Profil aufrufen. Praktisch auch, dass es merkt, ob man den Bildschirm anschaut, und diesen so lange nicht auf dunkel schaltet. So muss man beim Lesen von Websites oder E-Books nicht ständig wieder den Bildschirm antippen. Ist man am Schreiben eines SMS und beschliesst, den Empfänger doch lieber anzurufen, reicht es, das Gerät einfach ans Ohr zu halten, schon wird der Anruf gestartet.

Geteilter Meinung kann man darüber sein, ob ein Bildschirm mit einer 12,2-Zentimeter-Diagonale noch handlich ist. In jede Hosentasche passt das Gerät jedenfalls nicht. Solange man das Galaxy jedoch benutzt, macht das grosszügige Display Spass.

Es besteht kein Zweifel, dass das Galaxy S III dem iPhone 4S noch etwas nachmachen wird: Es wird sich bestimmt viel besser verkaufen, als die erste Enttäuschung vermuten lässt. Es wird Samsungs Führungsrolle unter den Handyherstellern weiter festigen. Noch vor drei Jahren betrug der Marktanteil der Koreaner bei den Smartphones gerade einmal 3 Prozent, aktuell ist er auf 29 Prozent geklettert. Im ersten Quartal 2012 wurden über 42 Millionen Samsung-Smartphones ausgeliefert, darunter Renner wie das Galaxy S II oder das Galaxy Note.

Die Marktmacht der Koreaner

Samsung ist derzeit nicht nur der weltgrösste Handyhersteller, sondern auch der gewichtigste Vertreter des Android-Lagers. Kein anderer Hersteller hat Googles Betriebssystem derart erfolgreich in den Massenmarkt gebracht. Bereits wird darüber gerätselt, wem künftig die Führungsrolle bei der Weiterentwicklung zufällt, Google oder Samsung. Die Koreaner hätten jedenfalls die Marktmacht, noch stärker ihr eigenes Android-Süppchen zu kochen - was allerdings auch eine weitere Zersplitterung des Android-Lagers mit sich bringen würde. Doch Suppen werden ja bekanntlich nie so heiss gegessen wie gekocht.

Die Beziehung zu Apple könnte sich vielleicht bald schon entspannen. Die Patentstreitigkeiten, welche die beiden Konzerne rund um den Globus austragen, könnten noch im Mai auf höchster Ebene - also von CEO zu CEO - beigelegt werden. Die Konkurrenten sind schliesslich stark voneinander abhängig. In jedem iPhone oder iPad stecken für mindestens 50 Dollar Bauteile von Samsung, Apple ist der grösste Kunde der Koreaner für Speicher, Displays oder Chips. Gemeinsam sind Samsung und Apple heute schon für 74 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Smartphones verantwortlich. Noch drastischer sieht es bei den Smartphone-Profiten aus, diese teilen die beiden praktisch exklusiv unter sich auf, wobei Apple trotz kleineren Marktanteilen viermal mehr verdient.

Solange das Geschäft derart gut läuft, müssen sich die zwei vorerst keine fundamental neuen Tricks für ihre Smartphones einfallen lassen.

Das Galaxy S III mit 16 GB Speicher wird ab Ende Mai für 899 Franken (ohne Abo) in Schwarz und Weiss erhältlich sein.

Samsung - Von der Nudel zum Smartphone

Mancher weltbekannte Technologiekonzern hat einst mit ganz anderen Produkten angefangen. Nokia produzierte zuerst Papier, später Gummistiefel und Stromkabel, bevor man in den Sechzigern eine Elektroniksparte schuf. Bei Samsung fing Ende der Dreissigerjahre alles mit Nudeln an. Im Koreakrieg musste die Firma von Seoul nach Busan umziehen und die Produktion auf Zucker umstellen, später kam Wolle hinzu.

Schon sehr früh haben die Firmengründer ihr Geschäft diversifiziert und es um neue Bereiche erweitert: Detailhandel, Versicherungen, Finanz- und Bauwesen. In den Sechzigern stieg der Mischkonzern ebenfalls in die Elektronik ein. Samsung produzierte den ersten koreanischen Schwarzweissfernseher.In den Achtzigern lieferte man die ersten koreanischen Telefone aus, ab 1982 sogar eigene PCs. Und Samsung investierte erstmals in Produktionsstätten ausserhalb Koreas, darunter in Australien, Europa und den USA, wo Samsung in Austin, Texas, eine beachtliche Chipfabrik betreibt, wo heute unter anderem Apples A5-Chips für iPads und iPhones produziert werden. Samsung ist heute nach Intel der zweitgrösste Chiphersteller der Welt.

Auch die Bausparte angelt sich lukrative Aufträge, man baute die Petronas Towers in Kuala Lumpur, den Taipei 101 in Taipeh sowie den Burj Khalifa in Dubai - jeweils die höchsten Gebäude der Welt zu ihrer Zeit. Tochterfirmen liefern auch Teile für A380-Triebwerke.

Vorübergehend (2006 bis 2011) schloss sich Samsung mit Sony zusammen und wurde zum grössten Lieferanten von LCD, etwa für HD-Fernseher. 2004 überholte Samsung Sony erstmals als beliebteste Elektronikmarke der Welt. Seit 2012 ist Samsung auch der grösste Hersteller von Smartphones und Mobiltelefonen, Letzteres vor Nokia und Apple.

Der Samsung-Konzern erzielte 2011 einen Umsatz von umgerechnet rund 200 Milliarden Franken und einen Gewinn von 19 Milliarden Franken.

9:00PM

Das Galaxy S3 im ersten Kurztest 

Roger Zedi hat in London das neue Samsung-Flaggschiff in Augenschein nehmen können. Das Galaxy S3 lädt sich kabellos, erkennt Gesichter auf Fotos – und hat einen ziemlich coolen SMS-Trick auf Lager.

Am Donnerstag Abend hat Samsung in London das neuste Flaggschiff ihrer Smartphones vorgestellt, das Galaxy S 3. Dessen auffallendste Neuerung ist, dass es, so der Hersteller, situativ antizipiert, was der Benutzer möchte.

So merkt es beispielsweise, ob man den Bildschirm anschaut und schaltet diesen solange nicht auf dunkel. Das macht es beim Lesen von Websites oder E-Books überflüssig, dass man den Bildschirm ständig wieder antippen muss. Ist man beim SMS-Schreiben und beschliesst, den Empfänger doch lieber anzurufen, reicht es, das Gerät einfach ans Ohr zu halten, schon wird er oder sie angerufen.

Samsungs neustes Flaggschiff.Daneben kann man gewisse Funktionen auch per Sprachbefehl namens S Voice ausführen. Das Galaxy unterstützt Deutsch als Eingabesprache, es lässt sich so unter anderem aus dem Standbymodus wecken, man kann Musik abspielen oder die Kamera starten. Das Gerät erkennt ausserdem Gesichter auf den Fotos.

Der Trick mit dem SMS funktioniert

Wir haben das Smartphone vor Ort kurz ausprobiert. Der Bildschirm – dies überrascht wenig – ist gestochen scharf, sehr kontrastreich und gewohnt farbkräftig. Von den Sprachbefehlen konnte man im Lärm des Demoraums leider kaum etwas ausprobieren, das Interface ist jedoch auffällig an Apples Siri «angelehnt». Der Trick mit dem SMS schreiben und anrufen, indem man das Gerät ans Ohr hält, klappt aber wirklich.

Die technische Ausstattung umfasst einen 4,8-Zoll-Amoled Bildschirm mit HD-Auflösung und eine 8 MP Kamera (auch die Frontkamera hat eine HD-Auflösung mit 1,9 MP). Es ist 8,6 Millimeter dick und wiegt 133 Gramm und es lässt sich per Induktion, also kabellos, laden. Von der Form her erfindet es allerdings nichts neu - es sieht aus, wie dutzende andere Android-Smartphones. Auf dem neuen Samsung-Gerät läuft Android 4.0 («Ice Cream Sandwich»).

2000 geladene Gäste, darunter 800 Journalisten

Das Galaxy S3 ist das offizielle Smartphone der Olympischen Spiele, die im Sommer in London statt finden werden. Deshalb wurde die englische Hauptstadt als Ort für die weltweit erste öffentliche Präsentation des Gerätes gewählt. Rund 2000 geladene Gäste waren von überall her angereist, darunter 800 Journalisten. Ein klassisches Orchester hat den Event im Earls Court mit Livemusik untermalt.

Die Schweiz zählt für Samsung, wie bereits für Apple, zu den Premium-Märkten, in denen das neue Smartphone als erstes lanciert wird. Der Verkaufspreis (ohne Abo) wird 899 Franken mit 16 GB Speicher betragen, das Galaxy S3 wird ab 29. Mai erhältlich sein.

Die neue Nummer 1

Samsung hat im ersten Quartal 2012 Nokia als grösster Handyhersteller und Apple als grössten Smartphone-Hersteller überholt. Gleichzeitig hat sich Samsung auch als wichtigster Anbieter von Android-Smartphones etabliert.

9:00AM

Der Guru gewann seinen ersten Mac in einer Wette

Der Computerexperte Robert Weiss ist seit den 80er-Jahren von Apples Innovationskraft fasziniert. Am Mittwoch hält er einen Vortrag darüber.

Sein erster Mac war der erste Mac. Im Frühling 1984, kurz bevor man Apples mittlerweile legendären Computer in der Schweiz kaufen konnte, stellte ihn Robert Weiss bereits im Fernsehen vor. Was damals niemand wusste: Weiss hatte eine Wette mit dem Generalimporteur für Apple-Computer laufen. Wenn Weiss live den Satz «IBM heisst jetzt neu ‹I buy Macintosh›» sagen würde, dürfe er den Computer behalten. Dass er sich seinen Mac tatsächlich auf diese Art verdient hat, davon kann man sich im Online-Videoarchiv von SRF überzeugen.

Sein erster Computer war jener Mac allerdings bei weitem nicht, schon gar nicht sein einziger. Bereits Ende der 60er-Jahre arbeitete Weiss für seine Diplomarbeit in Chemie mit Computern, einem Laborrechner von HP. Elektronik war schon immer sein Hobby gewesen. «Das hilft mir bis heute, denn ich verstehe, was auf unterster Ebene im Computer passiert», sagt Weiss.

Zu Ohren gekommen ist ihm die Firma Apple erstmals Ende der 70er-Jahre, als der Apple II unter Computerfreaks im Gespräch war. Weiss entwickelte damals die elektronische Verkehrssteuerung für den Seelisbergtunnel mit in einer Zeit, als noch in keinem Büro ein PC stand. Und er bastelte in seiner Freizeit an Bausätzen für Rechner herum. Programmiert hatte er schon mit Lochkarten, später in Fortran und Basic, auf HP oder etwa auf dem C64.

Heute trifft man ihn unterwegs stets mit seinem iPad. Als Anwender ist er Apple die ganze Zeit über treu geblieben. Sein Interesse hat hingegen immer der gesamten Branche gegolten, allen namhaften Herstellern, und auch mit Windows kennt er sich bestens aus. Seine private Sammlung von Computern dürfte die umfassendste der Schweiz sein. Weiss hofft, diese bald in einem eigenen Museum der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.

Mittlerweile tritt der 65-Jährige etwas kürzer. Das hält ihn nicht davon ab, lebhafte Vorträge zu halten. Nach dem Tod von Steve Jobs im letzten Oktober wurde er dermassen mit Medienanfragen überhäuft, dass er beschlossen hat, ein multimediales Referat über Jobs und Apples Einfluss auf die Elektronikbranche - und unsere Welt insgesamt - zusammenzustellen.

Robert Weiss hält am Mittwoch, 2. Mai, seinen Vortrag «Wie Apple unsere Welt veränderte» um 20 Uhr im Kaufleuten in Zürich. Anschliessend Diskussion. Vor Ort sind auch einige seiner Apple-Sammelstücke zu sehen. Der Abend wird moderiert von TA-Redaktor Roger Zedi. Eintritt: 25 Fr., mit Carte blanche: 15 Fr. www.kaufleuten.ch